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Der sogenannte Deckungsgrad einer Pensionskasse, was ist das?

Wie hat der Landbote vom Montag geschrieben: «…Der sogenannte Deckungsgrad (der PKSW) ist … gesunken…». Doch was bedeutet der Deckungsgrad einer Pensionskasse überhaupt, und welche Auswirkungen hat diese zwei- oder dreistellige Prozentangabe für mich als Versicherte oder Versicherten?

Bevor ich diese Frage beantworte und «den sogenannten Deckungsgrad» erkläre, ist es wichtig, zuerst einen Blick auf unser Altersvorsorgesystem zu werfen. Im Gegensatz zu den meisten Ländern auf dieser Welt setzt die Schweiz auf das «sogenannte» 3-Säulen-System. Die Idee war es, die Kosten für den Aufbau der finanziellen Absicherung der Schweizerinnen und Schweizer im Alter möglichst gleichmässig auf den Schultern des Staates, der Arbeitgebenden und jeder bzw. jedes Einzelnen zu verteilen. Bei aller Kritik an unserem Vorsorgesystem: dies ist der Schweiz hervorragend geglückt. Zum Vergleich: in Deutschland muss der Grossteil der Kosten der Staat, in Holland die Unternehmen und in den USA – wenig überraschend – jede bzw. jeder Einzelne berappen.

Die Schweiz hat zudem für jede der tragenden Säulen ein unterschiedliches Verfahren gewählt, wie die finanzielle Absicherung zustande kommt. Während die staatliche Vorsorge darauf setzt, dass die arbeitende Bevölkerung die Renten der Pensionierten bezahlt (Umlageverfahren), setzt die berufliche Vorsorge auf eine Mischform zwischen dem «individuellen Sparsäuli» (Kapitaldeckungsverfahren) vgl. «Die Pensionskasse, das Sparsäuli für’s Alter – PKSW» und einer Solidarität zwischen den erwerbstätigen Personen und den Rentner*innen. Die individuelle Vorsorge funktioniert dann aber ganz nach dem «Sparsäuli-Verfahren». Also auch bei der Finanzierung haben wir eine gute Ausgewogenheit zwischen den verschiedenen Verfahren. All dies macht das Altersvorsorgesystem in der Schweiz robust gegen Krisen. Dass wir immer älter werden, federt die berufliche Vorsorge mit dem individuellen Kapitalaufbau ab, während die staatliche Vorsorge vor allem bei negativen Börsen und steigender Inflation von Vorteil ist. Beide Verfahren ergänzen sich deshalb und erhöhen die Sicherheit.

Der Deckungsgrad einer Pensionskasse gibt darüber Auskunft, ob alle Guthaben und alle Renten bis ans Lebensende sofort ausbezahlt werden könnten.

Doch zurück zum «sogenannten Deckungsgrad» einer Pensionskasse, also ihrer beruflichen Vorsorge. Dieser Wert gibt einen Anhaltspunkt, ob genügend Kapital aufgebaut (Kapitaldeckungsverfahren, siehe oben) wurde, um alle Pensionskassenguthaben und alle Altersrenten sofort und bis zum voraussichtlichen Lebensende aller Rentner*innen auszahlen zu können. Liegt der Wert über 100% bedeutet dies: Ja, es ist möglich.

Die PKSW wies per 31.12.2021 einen Deckungsgrad von 102,6% aus. Dies bedeutete, dass es Ende des letzten Jahres möglich gewesen wäre, sofort alle Guthaben und Renten auszubezahlen. Aktuell liegt dieser Wert wegen dem schlechten Börsenverlauf im Jahr 2022 leider wieder unter der 100%-Marke.

Dies ist zwar unschön, bedeutet aber nicht, dass die PKSW die laufenden Altersrenten nicht mehr auszahlen oder bei einer Person, welche den Arbeitgeber wechselt, das Geld nicht mitgeben könnten. Zudem besteht auch nicht die Gefahr, dass das «Unternehmen» (sprich: die Stadt Winterthur) verkauft wird und die PKSW liquidiert werden müsste. Es ist davon auszugehen, dass Winterthur auch in 5, 10, 20, 50 oder gar 100 Jahren noch Beschäftigte haben wird.

Sie können versichert sein, dass die Verantwortlichen der PKSW als auch die Stadt Winterthur selber alles daran setzen wird, den Deckungsgrad von unter wieder über 100% zu führen.

Kontaktieren Sie uns unter +41 52 208 92 20 oder per Email unter pensionskasse@pksw.ch.

Ihr Stephan Keller


Über den Autor

Stephan Keller leitet die Pensionskasse der Stadt Winterthur seit August 2020.
Der 56-jährige bringt über 30 Jahre Erfahrung in der beruflichen Vorsorge mit, ist Betriebsökonom FH und hat einen Masterabschluss in Customer Relationship Management der ZHAW. Keller bezeichnet sich als kompetenten, kommunikativen und kreativen Brückenbauer innerhalb der 2. Säule.


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