Warum investiert Ihre Pensionskasse in Immobilien im Ausland?

Haben Sie gewusst, dass die Pensionskasse der Stadt Winterthur (PKSW) aktuell ein Drittel ihres Geldes in Immobilien angelegt hat? Davon sind drei Viertel Gebäude in der Schweiz und knapp ein Viertel betrifft Immobilien im Ausland. Aber warum investiert die PKSW überhaupt in Immobilien und weshalb auch in ausländische?

„Immobilien“ ist weltweit die grösste Anlageklassen überhaupt. Das heisst: Es steckt mehr Vermögen in Wohnungen, Bürogebäuden, Lagerhallen, etc. als in Aktien, Obligationen, Gold oder anderen Anlagen.

Die Frage könnte deshalb auch gleich umgekehrt lauten: Warum investiert die PKSW nicht noch viel mehr in ausländische Immobilien?

Diese Frage drängt sich auch deshalb auf, weil der Anteil an ausländischen Anlagen bei der PKSW nirgendwo so klein ist wie bei Immobilien. Bei den Obligationen sind es etwa die Hälfte und bei Aktien sind es sogar weit mehr als die Hälfte der jeweiligen Anlagen.

Der Grund ist einfach: Nicht alle Immobilien auf der Welt können von einer Pensionskasse einfach so gekauft oder verkauft werden. Viele Immobilien sind entweder in privatem Besitz, schwer zugänglich oder schlecht handelbar. Für grosse Anleger wie Pensionskassen ist deshalb nur ein kleiner Teil des weltweiten Immobilienmarkts geeignet.

Kommen wir zurück auf die andere Frage: Warum investiert die PKSW überhaupt in Immobilien im Ausland, wenn sie schon so viele Immobilien in der Schweiz besitzt?

Die Antwort lautet: Wegen der Risikoverteilung.

Wenn die PKSW nur in der Schweiz investieren würde, wäre sie auf Gedeih und Verderb vom Schweizer Markt abhängig. Entwickelt sich dieser schlecht, trifft dies das gesamt Portfolio. Immobilien im Ausland entwickeln sich hingegen oft anders als Immobilien in der Schweiz. Sie hängen von anderen Wirtschaftslagen, anderen Zinsen, anderen Bevölkerungsentwicklungen und anderen Märkten ab.

Ausserdem gibt es im Ausland Immobilienarten, die es in der Schweiz nur wenig oder fast gar nicht gibt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Logistikimmobilien: Das sind beispielsweise grosse Lagerhallen und Verteilzentren, die wegen des Onlinehandels immer wichtiger werden. Diese sind vor allem in grossen Wirtschaftsräumen wie Deutschland, Holland, Japan oder den USA zu finden und weniger in der kleinräumigen Schweiz.
  • Alters- und Wohnheime (Senior Housing): Hier lohnt es sich im Ausland zu investieren, weil in Ländern wie den USA oder Grossbritannien der Markt viel weiter entwickelt ist als in der Schweiz.
  • Rechenzentren (Data Centers): Dies sind Gebäude, in denen Computer und Server für Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und digitale Anwendungen betrieben werden. Die Nachfrage danach wächst weltweit stark.
  • Weitere Beispiele sind Studentenwohnungen, Gebäude für die Forschung sogenannte Life-Science-Immobilien oder Lagerräume für Privatpersonen und Unternehmen sogenannte Self-Storage-Anlagen – alles Nischen, mit eigenen oft konjunkturunabhängigen Renditechancen.

Solche Immobilien können eine sinnvolle Ergänzung sein zu den klassischen Wohn- und Geschäftsimmobilien in der Schweiz. Sie ersetzen also nicht Immobilien in der Schweiz. Sie helfen vielmehr, das Portfolio breiter aufzustellen und an langfristigen Entwicklungen im Ausland teilzunehmen.

Für die Versicherten bedeutet das: Die PKSW verteilt ihr Geld auf verschiedene Länder und verschiedene Arten von Immobilien. Dadurch ist das Vermögen stabiler angelegt, da die Last auf vielen „Schultern“ liegt. Ziel ist es, langfristig genügend Ertrag zu erwirtschaften, von welchen auch Sie als Versicherte:r in Zukunft profitieren können.

Selbstverständlich gibt es bei Anlagen im Ausland auch zusätzliche Risiken. Dazu gehören zum Beispiel Währungsschwankungen, andere Gesetze oder ein höherer Aufwand bei der Verwaltung.

Diese Risiken werden genau überwacht und wo möglich abgesichert durch unser professionelles Vermögensanlageteam sowie die Anlagekommission des Stiftungsrates. Bei der Auswahl und Prüfung der Immobilien im Ausland arbeitet die PKSW mit professionellen Partnern zusammen, die sich in den jeweiligen Märkten bestens auskennen und Fachleute vor Ort haben. Kurz gesagt: Die Pensionskasse investiert in Immobilien im Ausland, um das Risiko besser zu verteilen, neue Anlagechancen zu nutzen und langfristig stabile Erträge für die Versicherten zu erzielen.


Dr. Mariusz Platek leitet seit März 2015 das Vermögensanlage-Team der PKSW.

Der 55-jährige ist seit 30 Jahren in der Vermögensverwaltung von institutionellen Anlegern tätig. Er trägt einen Doktortitel in Wirtschafts-
wissenschaften der HSG St. Gallen und zeichnet sich nicht nur durch sein enormes Fachwissen sondern auch durch seine exakte und menschliche Art aus.